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Brauchtum - Hochzeit

 

Hochzeit

 

Die Wochen bis zur Trauung galten der Vorbereitung zu Hochzeit. Bei den Vorbereitungen für die eigentliche Hochzeit, die einige Tage vorher begann und zu denen die Hochzeitsmütter viele Helferinnen einluden, gab es eine feste Arbeitseinteilung: Die Frauen waren mit dem Backen der Brote, Hanklich und anderen Gebäcks sowie mit dem Hühnerschlachten und sonstigen Küchenarbeiten beschäftigt, während die Männer zwei Schweine und eine Kuh schlachteten, den Hof reinigten und das Hochzeitshaus für 100 bis 200 Gäste herrichteten.

Jugendliche schmückten die Tore. In Halvelagen war es Brauch, daß die geladene Gäste und auch nichtgeladene Gemeindemitglieder Lebensmittel beisteuerten. Am Vorabend der Hochzeit ging das Brautpaar nochmals in die Betstunde. Danach „grüßten“ sie sich aus der Bruder- und Schwesterschaft „aus“.
Am Hochzeitstage war man sehr früh auf de Beinen, um die letzten Vorbereitungen zu treffen. Die Brautknechte gingen von Haus zu Haus und luden die Hochzeitsgäste nochmals ein.Die kirchliche Trauung erfolgte nach dem Hauptgottesdienst und wurde nach einer festgelegten Ordnung vollzogen, mit Orgelmusik und Gesang des Kirchenchors festlich umrahmt. Nach der Ansprache des Pfarrers erfolgte die Trauungszeremonie mit der Einsegnung der Neuvermählten. Nach der Trauung trug der Pfarrer pflichtgemäß das junge Ehepaar in die Matrikel der Kirchengemeinde ein. Heimwärts ging man in fröhlicher Stimmung und mit musikalischer Begleitung.

Die Tische im Hochzeitshaus waren bereits gedeckt, und die Gäste verteilten sich nach einer vorgegebenen Tischordnung in den zwei bis drei Räumen. Den Anfang des fröhlichen Teils des Festes machte ein reichliches Hochzeitsmahl.

 

Nach dem Essen folgte die Tanzunterhaltung, im Laufe derer die Braut von den Burschen „gestohlen“ (entführt) und versteckt wurde. Der Bräutigam musste sie nun „zurückkaufen“, meist mit einem Eimer Wein. Mit Musikbegleitung und einem Teil der Gäste holte er sie zurück. Nach dem Abendessen folgte nochmals eine ernste Handlung, nämlich das Schenken („dә Giof“). Der Wortmann hielt eine Rede über Sinn und Zweck dieser Gabe an das junge Paar und forderte alle Hochzeitsgäste einschließlich der Kinder zu einem fröhlichen Geben auf. Gegen Mitternacht nahm man dem Brautpaar den Schmuck des Brautstandes ab, das Myrtenkränzchen vom Borten und das Sträußchen von der Mütze. Damit war auch das Ende der Jugend sinnbildlich verknüpft, denn ab dieser Stunde waren sie eine „junge Frau“ bzw. ein „junger Mann“.
Der 2. Hochzeitstag war der „Jungfrauentag“. Alle Gäste versammeln sich Im Hochzeitslokal. Die „junge Frau“ und die beiden Brautfrauen waren „gebockelt“ und saßen mit einem Leintuch bedeckt in der Mitte des Lokals. Der Junge Ehemann musste nun seine Frau erkennen. Nach dem Gottesdienst wurde vor dem Turm getanzt, dann ging es mit viel Jubel zum Hochzeitshaus, wobei das junge Paar von kräftigen Burschen auf die Schulter gehoben und getragen wurde, während die Jugend im Kreis um sie hüpfte.

Der 3. Hochzeitstag war für die das Spazierenfahren bestimmt. Auf mehreren mit stattlichen Pferden bespannten Schlitten fuhren die jüngeren Hochzeitsgäste , voraus das junge Paar, in Nachbargemeinden. Sie nahmen Hanklich und Wein mit, kehrten kurze Zeit bei Bekannten ein und kamen dann ins Hochzeitshaus zurück, wo weitergefeiert wurde.
Ab 1938 wurden große Hochzeiten im neuen Gemeindesaal gefeiert.

Auszug aus dem Heimatbuch